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Richard und Erika Arlt - Zwei Leben für die DDR

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Kurzbiographien - Opfer d. Verlorenen Transports

Kurzbiographien Output
Name:  Kelemen, Béla
Staatsangehörigkeit: Ungarn
  •  

    geb.:  29.03.1890, Ungarn
    als Sohn von: 
    Vilmos (=Wilhelm) Farkas Kohn (geb. in Zsámbék , Ungarn - gest. 1933 Budapest)
    Berta Hőnig (geb. 1861 in Novi Sad, Serbien - gest. 1933 Budapest)

    Geschwister: 

    Malvina Kelemen (geb. 1883 - gest. 1888)
    Ernő Moshe Kelemen (geb. 1888 in Budapest - gest. 1944, Auschwitz), Rechtsanwalt, war 1919-1920 Richter in der Räterepublik)

    gest.: 21.4.1945 im Verlorenen Transport zw. Finsterwalde und Tröbitz 
    bestattet: km 101,6, Langennaundorf

     



  • Béla Kelemen  Quelle: 
    T. Kelemen, A Sour Sweet Life (2014)

    • Familie:
    • verheiratet (1919) mit Lujza Murai (Mandel), Bankangestellte, geb. 22.5.1896 in Budapest, gest. 1945, Ravensbrück 
      Kinder:
      Magda geb. 7.4.1919, Budapest
      Támas (Tom) János geb. 7.9.1929 Budapest  gest. 21.12.2015, Northbridge, Australien

Beruf: Betriebswirt, Journalist
Leben:
  • vor 1900 Béla besucht die Elementarschule, dann das Gymnasium in Budapest.
    28.1.1899 Die Nachnamen von Béla und Ernö werden von Kohn in Kelemen geändert, um Antisemiten keinen Angriffspunkt zu bieten.
    ab 1915 Gymnasium und Handelsakademie, die er 1918 mit einem Wirschaftsdiplom abschließt.
    1919 Béla Kelemen heiratet Lujza Murai (Mandel), und zwar nicht nach jüdischem Zeremoniell.

    Lujza Kelemen
    Quelle: T. Kelemen, A Sour Sweet Life (2014)

    Im selben Jahr kommt ihre Tochter Magda zur Welt. Es ist das Jahr der ungarischen Räterepublik unter Béla Kun, der ebenfalls aus einer jüdischen Familie namens Kohn stammte. Da sein Bruder Ernö während der 6 Monate Räterepublik als Richter fungierte, wird Béla Kelemen die Räterepublik begrüßt haben. Im August 1919 wird die Räteregierung unter Hörty niedergesclagen, es kommt zu massiven Verfolgungen gegen Kommunisten und Juden.

    1920er Béla Kelemen arbeitet nach dem Abschluss seines Studiums zunächst als Angestellter bei der ungarischen Nationalbank, wechselt dann zur deutschsprachigen Tageszeitung Pesti Loyd, wurde dort Verlagsdirektor.
    7.9.1930 Tamás (=tom) Janos Kelemen wird geboren. Der Familie geht es gut, sie beschäftigt ein Kindermädchen und eine Haushaltshilfe. Béla hat einen Chauffeur.
    1930 Béla Kelemen wechselt zur Wirtschaftszeitung Pesti Tőzsde.
    1932 Faschistische Regierung unter Gyuly Gömbös. Erste antijüdische Gesetze: In Unternehmen maximal 40% Juden, In den höheren Bildungseinrichtungen maximal 5% Juden. Béla muss seine Arbeitsstelle aufgeben. Er wechselt zu der jüdisch geleiteten Theaterzeitung Színházi Élet als Verkaufsdirektor. Herausgeber war der damals prominente Incze Sándor ( hier ein link zur Ausgabe von Oktober 1932).
    1934ff Die Familie muss umziehen, kann sich die größere Wohnung nicht mehr leisten. Sie wohnen in der Maravany Strasse 29, im selben Haus wie Lujzas Eltern und die Familie ihrer Tante Paula.
    1936er Erneute antijüdische Repressionen. Béla Kelemen muss ins zweite Glied der Zeitung zurücktreten mit weniger Einkommen. 1938 muss die sehr populäre Zeitung ganz schliessen, Béla Kelemen verliert seine Arbeitsstelle. Für den Herausgeber Incze Sandor, auch er war jüdischer Herkunft, ist es der Verlust seines Lebenswerks - er wandert in die USA aus.
    Im selben Jahr werden 1 Million Juden zum Arbeitsdienst einberufen.
    1939 Deportationen von ca. 30.000 Juden ohne ungarische Staatsangehörigkeit.
    1940 Zu einer Transporteinheit der Armee eingezogen. Nach seiner Entlassung arbeitet er für das jüdische Gemeinekommitee in der Finanzabteilung.
    1943 1943 im März erhöht die NS Regierung den Druck auf Ungarn, weil Ungarn versucht, aus dem Krieg auszusteigen. Selbst in dieser Zeit arbeiten Juden im Wirtschaftsbereich in führenden Positionen, speziell in der Schwerindustrie.
    19.3.1944 Einmarsch der deutschen Reichswehr. 
    Bruder Ernö und dessen Familie werden - wahrscheinlich nach Auschwitz - deportiert.
    20.10.1944 Bela Kelemen wird in seiner Wohnung verhaftet, in ein Arbeitskommando gezwungen.
    2.11.1944 Auf Befehl von Eichmann beginnen in Budapest Massendeportationen. Vom 9. - 17.11 müssen 70.000 Juden in einem Todesmarsch, von ungarischen Faschisten, den sog Pfeilkreuzlern, angetrieben, zu Fuss über die Tauern nach Österreich marschieren. Unter ihnen Béla Kelemens Frau Lujza und seine Schwägerin. Ab da verliert sich Ihre Spur, wahrscheinlich wurden sie in Ravensbrück interniert, wo sie verstarben. 
    19.11.1944 Bela Kelemen wird bei einer der häufigen Razzien der Pfeilkreuzler, zusammen mit allen männlichen Bewohnern im Alter zwischen 16 und 60 in seinem  Wohnhaus verhaftet. Sie müssen Kleidung für 3 oder 4 Tage einpacken und sich im Hof versammeln. Angeblich solllen sie in einem Arbeitslager interneirt werden. 
    25.12.1944 Béla Kelemen nach Buchenwald deportiert. Er kommt Anfang 1945 nach Bergen-Belsen.
    10.4.1945 Zusammen mit ca. 2500 weiteren  Gefangenen im Verlorenen Transport mit dem Ziel Theresienstadt.  
    21.4.1945 Béla Keleman verstirbt im Zug auf der Fahrt von Schipkau nach Tröbitz, er wird am km 101,6 gemeinsam mit 15 anderen Opfern bestattet.
    Nach '45 Bélas Sohn Tom und seine Tocher Magda überlebten. Tom emigrierte nach Australien, wo er 2015 verstarb. Magda wanderte nach Israel aus. Beide haben zahlreiche Nachkommen. Tom Keleman (er änderte seinen Namen von Kelemen in Keleman) war massgeblich an der Entdeckung und Gestaltung der Gedenkstätte in Langennaundorf beteiligt. 
Quellen:

Tröbitz Jüdischer VVN
Kurzbiographien der Opfer in alphab. Reihenfolge: Name, Vorname, Alter und Sprachversionen. Zum Ansehen bitte anklicken

Oestreicher, Dr. Felix Herman (51)